Unsere Geschichte

Unser Sohn imkert seit dem Frühjahr 2022 in seiner Schule mit zwei Lehrern in der Imker-AG.
Wenn er vom Erlebten und Gelernten in allen Facetten und Farben davon wahrhaft "blumig" erzählt, dann packt mich das, als wäre ich selbst am Bienenstand.

"Papa - wir müssen imkern! Das ist so klasse! Seit ich als kleines Kind weiß, wo der Honig herkommt, will ich das schon machen.
Bitte, bitte, versprich mir, dass wir das machen!"

So etwas bleibt nicht folgenlos!
Was soll ich sagen - ich hab's ihm versprochen:
"Aber dann machen wir das richtig - und verantwortungsvoll!"
...

Seit dem wälze auch ich Fachbücher über Bienen, Imkerei, Bienengesundheit, Königinnenzucht, informiere mich in Videoforen, habe diverse Dokumentarfilme gesehen, besuche einen Imkerkurs, habe alle rechtlichen Voraussetzungen geschaffen und keine notwendigen Kosten gescheut....

Unser Sohn und ich sind Mitglieder im regionalen Bienenzüchterverein geworden, sind mittlerweile regelmäßig bei Stammtischen, welche wir nicht mehr missen wollen.

Wir lungern gemeinsam fachsimpelnd beim lokalen Imkereibedarf durch die Verkaufssaustellung und lernen dort nebenbei gleichgesinnte Menschen kennen. 

Im April 2023 haben wir endlich die Grundausstattung einer Imkerei zusammen. Und das, ohne auch nur eine einzige Biene in den Beuten zu haben!

Uns wird mit einem Mal bewusst, was da gerade passiert:
Wir sind total bienenschwanger! Das Kinderzimmer ist fertig und alle warten auf die neuen Familienmitglieder.

Diesen Sommer bekommen wir endlich "unsere Mädels" - dann, wenn das Bienenjahr zur Schwarmzeit ruft.   

Jetzt bin ich doch dankbar, dass ich dieses eine Jahr Zeit zum Lernen hatte. Es wartet eine Menge Verantwortung auf uns.
Und sehr viel mehr Schönes.

Der Mai 2023 hat
begonnen. Ein Imkerfreund hat uns mit einem erfahrenen, lokalen Imker bekannt gemacht.
Wir haben lange telefoniert, und ich konnte wieder viel Neues lernen.
Am Ende des Telefonates stand fest:
Mitte Mai teilen wir mit, wie viele Völker wir als sogenannte "Kunstschwärme" kaufen möchten.
Wichtig war für uns dabei die Information, dass es nicht einfach nur Flugbienen mit einer Königin sind. Dann würde der Schwarm nämlich ziemlich schnell an Stärke verlieren. Und das würde zu einem schwachen Volk führen - schlechte Vorbedingungen für  überwinterungsfähige Bienenvölker.

Wir bekommen also gut durchmischte Kunstschwärme aus Völkern mit Arbeiterinnen von frisch geschlüpften Putzbienen bis Sammlerinnen. Dazu jeweils eine junge Königin, welche ganz sicher befruchtet wurde.

Des Weiteren einen Brutableger aus gut gefüllten Brutwaben mit aufsitzenden Bienen, welcher sich seine eigene Königin nachbeschafft hat. Hier müssen wir nur hoffen, dass die frisch geschlüpfte Königin einen erfolgreichen Hochzeitsflug hatte und in Brut geht.

Was aber jetzt schon fest steht:

Alle Völker müssen zeitnah gegen Varroamilben behandelt werden. Das ist einfach zu ihrem Besten. [Nachtrag vom 13.09.2023: Ich habe wieder Einiges dazugelernt, und ich sehe das jetzt kritischer und mit einer Menge neuer Fragen!]

Damit gibt es dann auch dieses Jahr noch keine eigene Honigernte.
Wie gesagt, der Imker geht in Vorkasse und hofft auf die Natur!

22.  - 26. Juli 2023 die ersten Völker sind da - und jede Menge Sorgen.

Der Kontakt zu einem lokalen Imker bestand schon länger, plötzlich geht alles sehr schnell:
4 Kunstschwärme mit Jungköniginnen werden in unsere Verantwortung übergeben.
Und trotz aller theoretischen Vorbereitung ist doch fast alles erschreckend neu:

Wieder einmal alles zu Ersten Mal:
Bienen in die Beute, Beute bienendicht gurten, notwendiger Weise mit dem Auto nahe an den  vorbereiteten Bienenstand. Die 4  Bienenbeuten ein gutes Stück in den kleinen Wald tragen (Mensch, die wiegen doch schon was. Abstellen ist aber nicht, der Gitterboden soll nicht ins Gras!) Dank sei unserem Imkerfreund aus der Nachbarschaft - für Deine Hilfe und alles noch Nachfolgende.

Auffüttern:
Die Kunstschwärme haben noch keinen Wabenbau, keinen Pollen, keinen Nektar!
7 Kilo Sirup verstoffwechseln die Bienen zu einem Kilo Wachs.
Wir haben uns im Internet schlau gemacht, und versuchen es mit Sirup im aufgeschnittenen  1-Liter-Getränkekarton, jeden zweiten Tag wird zu Beginn nachgereicht. der Behälter steht in einer aufgesetzten Leerzarge - und die bietet nach oben jede Menge Platz - vor allem für allerlei "Unsinniges" von Seiten unserer Bienen.

Unsinn? Von wegen! Die Bienen machen alles richtig:
Sie beginnen damit, dass sie "im hohlen Baum" ganz oben mit dem Wabenbau anfangen.
Nur dumm, dass wir wie gelernt ein Trenngitter zwischen das gewünschte Brutnest und die Leerzarge eingelegt haben. Das hält die etwas größere Königin davon ab, ihre Eier genau dort abzulegen, wo sie im natürlichen Wabenbau hingehören!
Die Imkerei mit der Magazinbeute zwingt die Bienen, den oben liegenden Platz einzig und allein für die Honiglagerung zu nutzen. Imkernde nennen das den Honigraum.
Pollen lagern Bienen ohnehin immer direkt am Brutnest, da sie ihn für die Fütterung der Arbeiterinnen- und Drohnenmaden benötigen. Sie lieben kurze Wege!

Aus Sicht der Imkerei ist das natürlich eine tolle Sache: Bienenflucht zwischen Honigraum und Brutnest, am nächsten Tag den Honigraum einfach nahezu bienenleer abheben, neuen leeren Honigraum drauf. Vollen Honigraum abtransportieren, Schleudern & Co.

13.09.2023
Heute nach fast zwei weiteren Monaten weiß ich:

Die freilebenden Bienen beißen im holen Baum zunächst im oberen Bereich der Höhlung alles Faule und Kranke bis auf das frische und gesunde Holz heraus. Dann kleiden sie die Baumhöhle dort mit Propolis aus. Was für eine gewaltige Teamleistung!

Und was für ein genialer Mechanismus:
Der Baum bekommt in kürzester Zeit eine umfassende Wundreinigung und ein natürliches Pflaster im oberen Teil der (Specht-) Höhle! Die Bienen verhindern an dieser Stelle sein Absterben!
Dafür bekommen die Bienen eine natürliche und gesunde Aromatherapie aus dem Baum.
Die verhindert ganz natürlich die Ausbreitung von vielen Viren, Bakterien und Pilzen.
Parallel zur "Deckensanierung" beginnen sie mit dem Wabenbau und lagern in den schon bestehenden Zellen sofort das erste Futter ein, währen andere darunter den Wabenbau fortsetzen - das ganze läuft "just in time".
Ab einem gewissen Zeitpunkt kommt die Königin aus der Legepause. Voll mit Eiern im Hinterleib wäre sie zu schwer zum Schwärmen gewesen. Sie beginnt wieder damit ihre Stifte zu legen.
Die Brut wird versorgt, verpuppt sich und neue Bienen schlüpfen - Arbeiterinnen, zu einer bestimmten Phase im Jahr auch wieder Drohnen. Während der ganzen Zeit wird immer so viel ausgebaut, wie benötigt wird. Mitlaufend wird die Bruthöhle weiter gereinigt und propolisiert. Ein gesundes Volk sorgt ganz natürlich für eine gute Hygiene im Bau.
Neben den Pollen- und Nektarzellen zum Zwischenlagern der Vorräte werden bald auch Honigwaben für das Langzeitlager benötigt. Dieses befindet sich um das Brutnest und darunter.

Ein Bienennest wird mehrere Jahre alt und ständig erweitert - einen guten Standort gibt man nicht leichtfertig auf. Dabei übergibt es in der Regel die jeweils alte Königin des Vorjahres zur Schwarmzeit an eine neu geschlüpfte Königin. 

Die Vorteile liegen auf der Hand:
Warme Luft steigt nach oben, die Brut wird besser gewärmt.
Wenn der Nektar oder Honig mal tropft, dann nie auf die Brut!
Wenn Bienen oben im Baum leben, dann schaffen es kranke und schwache Bienen oft nicht nach Hause. Folglich tragen sie keine Krankheiten ein.
Die Bienen haben in jeder Hinsicht viel weniger gesundheitlichen Stress.
Und deutlich mehr Power!

Jetzt hat`s aber richtig "Klick" bei mir gemacht!

Ich muss einen Weg finden, wie wir die Bienen wieder nach oben in die Bäume bekommen!